Das elektrische Jahr 2020

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende. Einmal Zeit ein Resümee aus Sicht der E-Mobilität zu werfen. Positiv ist auf jeden Fall, dass sich der Anteil an E-Fahrzeugen deutlich erhöht hat, wobei für mich nur reine E-Autos zählen. Wie man ja inzwischen auch in der Presse mitbekommen hat, werden Hybride nur aus Steuervorteilen vor allem als Firmenwagen gekauft. Seltsam, wenn nach drei Jahren in den Leasingrückläufern das Ladekabel noch eingeschweißt rumliegt. Ich verstehe auch nicht, warum der Deutsche noch immer Wert darauf legt einen VW zu fahren.

Apropos Herkunft der Fahrzeuge. Ich habe gehört, dass Tesla Model 3 aus China zu bevorzugen sind, weil diese eine höhere Qualität aufweisen. Da bin ich ja mal auf das Model Y aus Brandenburg gespannt. Apropos Tesla. So gerne ich meinen Tesla fahre und ich deren Gesamtkonzept einfach am besten finde, so muss ich sagen, dass das Abholzen von 170ha für eine Gigafactory vielleicht doch nicht so ökologisch ist. Haben wir in Deutschland nicht genug Industriebrachflächen? Wie wäre es mit dem alten Opelwerk in Bochum? Vermutlich ist das aber nicht die Schuld von Tesla, sondern von den vorhandenen Abschreibemodellen und den Politikern, die einen Wald als Gewerbegebiet ausweisen. Schön wäre es allerdings gewesen, wenn Tesla mit dem Holz gleich mal das Werk bauen würde. Neulich habe ich eine Sendung über Holzhäuser aus Borkenkäferholz gesehen. Sehr interessant, denn solches Holz als Bauholz zu verwenden ist gar kein Problem.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Ich bin mit meinem Tesla inzwischen 183.000km gefahren und bin inzwischen wieder nur bei 10% Leistungsverlust. Zwischenzeitlich war der mal höher, aber mit Softwareupdates ist die Reichweite wieder angestiegen. Leider verkehrt sich das billige Fahren (Laden) langsam in das Gegenteil. Gut, mich betrifft das jetzt weniger, weil ich am Supercharger noch immer kostenlos laden kann, aber die wenigen kostenlosen Ladesäulen sind inzwischen (zu) gut besucht. Nun geht es mir nicht um das kostenlose Laden, aber um das Laden zu vernünftigen Preisen. Wenn man von den dicken Schiffen (wie meinem) mal absieht, verbraucht ein E-Auto im Schnitt 15kW / 100km. Das sind umgerechnet etwa 1,5l Benzin oder Diesel. Wenn ein Mittelklasse Verbrennerfahrzeug zwischen 5 bis 7l Diesel oder Benzin auf 100km benötigt, so sind das aktuell Kosten von ca. 5-10€. Aktuelle Strompreise an den Ladesäulen sind etwa 40Cent pro kWh für das langsame Laden bis 86Cent für das schnelle Laden. Wenn man also auf Tour ist, bezahlt man heute schon 13€ für 100km. Nun soll der Preis auf 1,08€ für die kWh steigen. Damit kosten 100km 16€. Das ist bei diesen Fahrzeugen also etwa das Dreifache im Vergleich zu einem Diesel. Das ist völlig uninteressant. Ich verstehe schon, dass man den Energieverbrauch reduzieren will und die Steuereinnahmen maximieren will, aber dazu muss man wettbewerbsfähige Preise haben, also die Umweltkosten mit einrechnen. Dabei dürfen die Mehreinnahmen durch einen CO2 Aufschlag aber nicht für irgendetwas verwendet werden, sondern für die Weiterentwicklung und den Ausbau an ökologischen Technologien und genau an der Stelle sehe ich das Problem.

Noch ein Letztes zum Thema Aufladen. Ich habe in meinem Portemonnaie 5 Ladekarten. Von einer weiß ich, dass die Nutzungsmöglichkeiten immer weniger werden, denn die funktioniert nur an kostenlosen Ladesäulen. Bei den anderen 4 Ladekarten habe ich irgendwelche Mitteilungen bekommen, dass sich irgendetwas geändert hat. Da habe ich den Überblick verloren und weiß nicht, welche noch funktioniert, welche nicht mehr funktioniert und wenn sie funktioniert, was es dann kosten würde. Deshalb fordere ich folgendes:

  1. Das Bezahlen muss mit den in Europa üblichen Zahlungsmitteln möglich sein. Da Bargeld ausscheidet und die EC-Karte eigentlich nur in Deutschland verwendet wird, sollte es also die Kreditkarte sein oder das Handy, was ja das Gleiche ist. Damit würde eine lästige Anmeldung entfallen.
  2. Ich möchte, dass mir die Ladesäule vorher anzeigt, was an Kosten auf mich zukommt. Geht nicht? Doch, gerade bei Elektrofahrzeugen geht das, denn die Ladesäulen können ja auch den Akkustand anzeigen. Also kann die Ladesäule die benötigten kW abfragen, ggf. sogar mit einer eventuell eingestellten Begrenzung. Ich lade zum Beispiel immer nur auf 90%. Also Anzeige xCent / kWh und Summe für n kWh. Außerdem muss es möglich sein den Preis zu bestätigen. Da besteht das größte Problem, denn viele Ladesäulen besitzen gar keine Eingabemöglichkeit, aber vielleicht kann man mit der Kreditkarte den Vorgang zweimal bestätigen oder besser noch, man sieht ein Eingabefeld vor, was auch zu der Abfrage einer Pin genutzt werden kann.
  3. Speziell rabattierte Anbieterkarten können natürlich möglich sein.
  4. Man kann eine solche Lösung auch mit ins Fahrzeug integrieren und darüber steuern. Geht aber vielleicht nur bei einem Tesla.
  5. Ferner fordere ich, dass subventionierte Ladesäulen immer für Jedermann zugänglich sein müssen. Beispiel Mitsubishi in Friedberg (Hessen). Dort ist das schnelle Laden nur noch zu Öffnungszeiten möglich. Das finde ich eine Frechheit. Ich habe das nämlich gerne genutzt, um von dort meine sonntägliche Joggingrunde zu starten und parallel das Auto zu laden. Das funktioniert nun nicht mehr. Warum nicht? Ist mir völlig unverständlich, wo das kostenlose Laden da ohnehin abgeschafft wird oder wurde.

Diese Dinge könnte und müsste die Politik steuern. Leider hat sie keine Ahnung und tut es nicht. Mal schauen, was im nächsten Jahr passiert. Ich hoffe nur, dass die Teslasäulen nicht für alle geöffnet werden, denn dann wird es auch an den Ladesäulen eng, aber man kann das vielleicht auch über den Preis steuern. Da bin ich tatsächlich egoistisch, aber die Supercharger sind teilweise sehr gut besucht. es dauert nicht mehr lange und dann muss man an ihnen immer häufiger auf einen Ladeplatz warten.

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