So habe ich mir das vorgestellt

Die heutige Etappe war gemütlich und eher kurz. Dadurch, dass wir die ersten Tage so viele Kilometer geschafft haben, können wir uns nun Zeit lassen. Christel hat draußen im Schlafsack geschlafen. Mir wäre das ja zu feucht. Es war aber nicht so kalt, wie es angekündigt war, nur -1,7 und keine -6 Grad. Trotzdem habe ich frühzeitig das Auto zum Auftauen bewegt. Das ist wichtig, denn wenn die Griffe einfrieren, können sie kaputt gehen. Das das Auftauen notwendig war, konnte man anschließend an der noch immer gefrorenen Fronthaube sehen. Unser erstes Ziel heute, nach dem Aufladen, war das Fritidsbåtsmuseet in Härnösand. Leider ist das dauerhaft geschlossen und zieht woanders hin um. Als Alternativprogramm sind wir in die Stadt gegangen und haben uns die Kathedrale / Dom angesehen. Für eine katholische Einrichtung eher schlicht gehalten und äußerlich sieht sie sehr jung aus.

Kathedrale in Härnösands, Außenansicht

Kathedrale in Härnösands

Wie man sieht, haben wir viel Schnee. Überall fahren Radlader umher und verteilen Splitt. Das meine neue Scheibe noch heil ist, grenzt an ein Wunder. Die Nebenstrassen bestehen sehr oft aus Eishubbeln, es fusselt die ganze Zeit von Oben bei ±0 Grad. Die E4, die wir die ganze Zeit über Richtung Nordost fahren, ist aber weitestgehend frei. Zumindest die linke Spur.

Bei Docksta schauen wir uns in einem Schuhshop um. Dieser gehört zu einer angrenzenden Fabrik. Der ursprüngliche Standort wird zugunsten eines neuen Gebäudes aufgegeben. Der Shop ist bereits umgezogen, die Fertigung zieht in den kommenden Wochen um. Die Fabrikbesitzerin hat uns das erzählt. Interessant, dass man als Besitzerin für den Shop Zeit hat, aber vielleicht teilt sie sich das mit jemandem auf. Auf dem Rückweg halten wir vielleicht noch einmal dort, denn die haben ganz hübsche Sachen. Schuhe brauche ich ja keine.

Einen weiteren, kurzen Stopp haben wir bei Själevad im Fjäll Räven Outlet (Naturkompaniet) eingelegt. Dort habe ich eine kleine Flasche gefunden, wie ich sie vor der Reise gerne für meinen Klabautermann gehabt hätte. Nun für die nächste Tour. Warum Klabautermann? Jedes Mal, wenn der Hals anfängt zu kratzen, trinke ich einen kurzen Klabautermann und am nächsten Tag ist alles wieder gut.

In Örnsköldsvik befindet sich unsere Ladestation für die Nacht. Hier suchen wir nach einer Unterkunft und werden südlich auf einer Halbinsel fündig. Die heutige Fahrt war sehr anstrengend für die Augen, denn gegen einen grauen Himmel mit Scheibenwischer zu fahren ist heftig. Zu unserer Unterkunft war die Fahrt theoretisch schlimmer, denn anstelle der freien E4 sind wir durch eine Winterlandschaft gefahren. Alles ist weiß. Es war nicht mehr richtig hell, so dass der Unterschied zwischen weißer Fahrbahn und den Schneebergen neben der Strasse kaum auszumachen war, aber das hat richtig Spaß gemacht. Einfach herrlich. So habe ich mir die Verhältnisse vorgestellt. Dass ich trotzdem so schnell und sicher fahren kann, hätte ich nicht geglaubt. Dazu habe ich festgestellt, dass ich weder Schneeketten noch andere Winterreifen brauche. Meine Nokian haben einen solchen Grip, phantastisch. Ich bin mit guten 50km/h über die Strasse geheizt (für deutsche Verhältnisse). Das war für einheimische allerdings trotzdem ein bisschen zu langsam. Dabei durfte man gar nicht schneller fahren. Die Unterkunft befindet sich an einer Engstelle der Ostsee in eine natürlich Bucht. Bevor das Tageslicht ganz weg war, habe ich noch ein paar Fotos gemacht. Ich kann jetzt sogar sagen, dass ich auf der Ostsee stand. Das Eis scheint hier so dick zu sein, dass man mit einem Schneemobil darauf fahren kann.

Unser heutiges Guesthouse bei den Mattebo‘s. Eine super nette Familie.

Mit Aussicht auf die Ostsee, die, nach Aussage, 60cm dick ist.

Apropos Geschwindigkeit. Was ich hier auf der E4 als Geschwindigkeit gefahren bin, wäre in Deutschland undenkbar. Bei den Verhältnissen, wären die Leute nicht schneller als 60 gefahren. Vielleicht hat der Schnee hier auch eine andere Konsistenz und damit mehr Grip. Entgegen anderweitiger Aussagen werden die Hauptverkehrsstrassen, wie die E4 gesalzen. Nebenstrassen aber nicht. Es wird ab 10cm geräumt. Die E4 war praktisch frei von Schnee. Vielleicht wird besser geräumt. Die hohen Schneestände auf deutschen Autobahnen haben wir hier bisher nicht gesehen.

Schon bald im Zielgebiet

Heute sind wir bis auf 500km an unser Zielgebiet herangekommen. Wir haben uns zunächst Zeit gelassen und die Gegend von Gävle erkundet. Durch eine Fehlinformation von Apple Maps konnten wir kein Frühstück ergattern, wir wir es wollten. Wir hätten bis 11 Uhr warten müssen, aber das wollten wir nicht. Immerhin wurden uns 2 Kaffee spendiert. In Bonan haben wir den Leuchtturm bewundert und Lotsenschiffe im Hafen gesehen, deren Heizung lief. Die müssen ziemlich starke Motoren haben und dickes Eisen. Sonst würden sie es nicht aus dem Hafenbecken herausschaffen. Unser Parkplatz lag etwas abseits. Der Reiseführer berichtetet von 1-1,5 Stunden Zeit für die Besichtigung. Das scheinen Winterzeiten zu sein, denn die Strasse war eisglatt und wir hatten unsere Mühe dorthin zu gelangen. Ich war froh wieder im Auto zu sein, denn im Auto merkt man von den glatten Strassen nichts. Ansonsten hätte eine halbe Stunde locker gereicht. Der Blick auf die vereiste Bucht ist schön anzusehen.

Leuchtturm von Bonan

Der weitere Weg über die weitgehend sehr gut zu befahrene Strasse hat uns heute bis auf den Campingplatz Sundsvall geführt. Ich würde die Strecke bei den Verhältnissen ungerne bei Nacht fahren, denn teilweise stehen Seen auf der Strasse, in die ich ungerne mit 100km/h reinfahren wollen würde. Allerdings meistert der Allrad des Autos auch das. Mit meinen alten BMWs hätte ich mich schon mehrfach rausgekreiselt, naja, vielleicht auch nicht. Fakt ist aber, dass man bis auf die Verzögerung durch das Wasser und eben diesem auf der Scheibe, kaum etwas spürt, auch wenn nur einseitig verzögert wird. Mit den BMWs wäre ich auf keinen Fall so einfach die diversen Eis-Steigungen auf Parkplätzen und Nebenstrassen hinauf gekommen.

Das Wetter ist bis zum späten Nachtmittag bedeckt gewesen. Also wieder nur Handyfotos und auch der Tatsache geschuldet, dass ein Sturz mit dem Handy glimpflicher abgehen würde, als mit der großen Kamera. Morgen schauen wir uns nach dem Aufladen, auf das wir heute Nachmittag verzichtet haben, noch ein Museum an. So zumindest der Plan.

Die Ostsee soll hier etwa 20cm dick zugefroren sein.

Kubikenborg Aluminium AB

Kleines Update. Ich habe doch noch die Kamera hervorgeholt, als der Nebel über die Bucht gekrochen kam. Leider habe ich den Moment, zu dem die Schornsteine des nahegelegenen Aluminiumwerks zu sehen waren, verpasst. Da war ich gerade mit der anderen Richtung beschäftigt. Bilder folgen später.

Der erste Sonnenschein

Heute sind wir bis Gävle an der Ostseeküste gefahren. Der Weg war richtig schön. Erstens war es trocken. Und zweitens sind wir die 55 gefahren, was man so als Bundesstrasse ansehen kann. Wenig befahren und durch schöne Landschaften. Links und rechts liegt Schnee, aber die Strassen sind trocken. Die Temperatur liegt etwas über 0 Grad Celsius.

Mir ist heute aufgefallen, dass die Warnbarken in Schweden in den Landesfarben gehalten sind. Gut, wenn unsere Zeichen aus der preußischen Zeit kommen würden, würde das zusammenpassen, aber unsere Zeichen sind nach den Gesichtspunkten der Wahrnehmung Rot und Weiß. Gelb – Blau sind Komplementärfarben zueinander und wenn sie mit gelbem Licht angestrahlt werden, wird der Kontrast noch verstärkt. Andererseits ist Rot eine Warnfarbe, Blau eher nicht. Es bleibt also ein Rätsel, wobei andere Schilder Blau – Weiß sind.

Warum sind die Warnbarken in Schweden eigentlich in den Landesfarben gehalten?

Das Auto ist heute fit. Keine Warnmeldungen, nichts. Ich habe das Gefühl, dass wir heute viel besser voran gekommen sind. Wir haben nur noch 800km vor uns und dafür 5 Tage Zeit. Daher haben wir ab jetzt Zeit für Sightseeing. Es sind noch vier Ladestationen zwischen uns und dem Ziel. Also ca. eine pro Tag. Da bisher die Strassen gut ausgebaut und geräumt waren, gehe ich davon aus, dass es, zumindest die nächsten zwei Tage noch, so weitergeht.

Apropos Ladestation. Die Supercharger hier sind deutlich größer als bei uns, aber es gibt auch andere Anbieter. Gestern haben wir noch einen elektrischen LKW, sogar von DB Schenker, an einer Ladesäule gesehen und heute eine Nio-Akkuwechselstation. Leider war dort nichts los, so dass ich keinen Wechsel beobachten konnte. Schade, ich hätte das gerne beobachtet.

Ein elektrischer LKW. Ich bin begeistert.

Gävel liegt direkt an der Ostseeküste. Wir nächtigen in der Nähe in einem schönen Hotel. Zum Campen ist es viel zu nass und ehrlich gesagt, habe ich auch keinen Bock darauf. Wir haben ein Apartment mit drei Schlafzimmern, so dass wir uns nicht gegenseitig anschnarchen müssen. Der Wohnraum ist groß mit angeschlossener Küche. Außerdem gibt es eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner, die wir nicht brauchen. Ich stelle fest, dass ich bisher viel zu viel Klamotten dabei habe. Das Apartment ist für 5 Personen ausgelegt. Einzig das Frühstück fehlt. Leider ist nicht nur die Ostsee gefroren, sondern auch der Pool. Also nichts mit Schwimmen.

Hier kann man die zugefrorene Ostsee bestaunen und es macht mir Hoffnung auf eine interessante Eisbrecherfahrt. Hier würde ich allerdings nicht auf das Eis gehen. Dafür ist die Temperatur doch zu hoch. Für die kommende Nacht ist Schnee, der in Regen übergeht, angesagt. Mal schauen, wie es weiter nördlich aussieht.

Die Ostsee ist hier bereits zugefroren, wobei auf dem Bild eine Bucht zu sehen ist. Die Ostsee selbst ist etwas weiter links. Sieht allerdings genauso aus.

Hurra, ich habe heute das erste Mal die richtige Kamera ausgepackt. Viele Bilder sind es noch nicht, aber ein Anfang. Die Guten sind dem Fotobuch vorbehalten.

Ein erstes Abenteuer zum Tagesende

Heute war das Wetter deutlich besser. Nach dem wir uns von dem völlig chaotischen First Camping in Malmö verabschiedet hatten, wollte Christel unbedingt durch Lund fahren. Naja, da gab es nicht wirklich etwas zu sehen. Heute sind wir später losgekommen, aber wir fahren auf der Autobahn und kommen gut voran. Dem Tesla hat der gestrige Regen nicht gefallen. Der eine Parksensor vorne funktioniert nicht mehr richtig. Der Rest, inkl. Autopilot funktioniert noch. Vielleicht fehlt nur eine Autowäsche. Bis zum späten Nachmittag war es weitestgehend trocken und wir sind weiter als von mir ursprünglich geplant gekommen.

Schlafen tun wir heute in Kolmården. Wir haben uns extra Bettlaken bei Ikea angelacht. Da können wir Geld sparen, denn das Ausleihen der Bettwäsche kostet mehr als das Bettlaken und mit Kopfkissen und Schlafsack klappt das gut. Die Fahrt nach Kolmården war abenteuerlich. Es regnet, die Nacht ist schwarz, die Strasse eng und ohne Markierungen. Man sieht nichts. Nebendran liegt Schnee und auf dem letzten Kilometer auch auf der Strasse. Für den Tesla mit Allradantrieb und Winterreifen kein Problem. Trotzdem ist das Fahren in der Dunkelheit bei Regen sehr anstrengend. Vorzeigbare Bilder gibt es heute wieder nicht. Entgegen Christels Meinung, habe ich gerne sonniges Wetter zum Fotografieren. Bilder bei bedecktem Himmel sind einfach nur fade. Da hat eben jeder seinen Geschmack.

Jetzt liegen noch gute 1100km vor uns. Mal schauen wie lange die Strassen einfach befahrbar sind. Die Einheimischen fahren ihre Autos hörbar mit Spikereifen, wenn auch nicht alle.

Es kann nur besser werden

Wir haben die erste lange Strecke hinter uns und haben es bis Malmö geschafft. Das hat sehr lange gedauert. Hinter Hamburg hat es zu regnen begonnen und nicht mehr aufgehört. Vermutlich hat der Tesla deshalb mit 24kWh / 100km so viel verbraucht. Licht plus Scheibenwischer sind merkliche Verbraucher. Natürlich sind wir auch deutlich schwerer, als wenn ich alleine ohne Zusatzausrüstung, wie Schneeketten, unterwegs bin. Vor 6 Jahren hatte ich keine 10 Stunden bis Malmö gebraucht, heute waren es etwa 1,5 Stunden mehr. Ich hoffe, dass das jetzt die anstrengendste Strecke war und das Wetter doch noch besser wird. Leider sieht es für die kommenden Tage nicht so gut aus. Aktuell haben wir Sturm und Regen. Weil das Wetter so schlecht ist, konnte ich leider keine vernünftigen Bilder machen.

Ein kurzer Ausflug an den Öresund Strand brachte die Überreste eines Vogels zu Tage

Unsere bisherige Route

Wir haben den Landweg gewählt. Schien etwas billiger zu sein und nicht so viel langsamer. Naja, zumindest hatten wir keine schaukelnde Fähre

Relativ spät abends sind wir auf dem Campingplatz bei Malmö angekommen. Dann fing das Chaos an. Zuerst sollten wir eine Zutrittskarte erhalten. Eigentlich bekommt man die an einem Automaten. Wir aber nicht, sondern aus einer Box. Die Karte funktionierte auch beim Servicehaus und der Schranke. Zunächst hatten wir keine Hüttennummer erhalten. Also anrufen. Es stellte sich heraus, dass die Karte nicht funktioniert. Also noch ein paar Mal anrufen, um schlußendlich eine andere Karte zu erhalten. Bis wir die Bettwäsche und Zugang zur Hütte hatten, war weit über eine Stunde vergangen. Wir waren sowieso fertig und dann das noch. Es hat die Laune nicht wirklich gehoben. Aber Hauptsache wir konnten eine trockene und warme Nacht verbringen.

Es ist gepackt

Es ist gar nicht so einfach sich bei einer Winterreise zu beschränken. Ich fange an mit der Kiste, in der sich Lebensmittel, Kochgeschirr und sonstiges befinden. Dazu Isomatte und Schlafsack. Normalerweise habe ich für das Auto noch eine aufblasbare Luftmatratze dabei, aber die Chance im Auto pennen zu können ist sehr gering. Denn wenn wir uns hinten reinlegen wollten, wüssten wir nicht wohin mit der ganzen Ausrüstung. Alleine der zentrale Rucksack ist zum Bersten voll mit Pullovern und vor allem warmen Merinoshirts. Neben der wichtigen 12kg Fotoausrüstung kommen dann noch ein paar Kleinigkeiten dazu, wie ein spezielles Ladekabel, mit dem man wirklich überall laden kann, Skihose, Zusatztaschen für alle Fälle und natürlich passendes Schuhwerk. Außerdem nehme ich noch Wasser mit. Das wird nicht für die ganze Reise reichen, aber vielleicht packe ich noch etwas dazu.

Teilausrüstung mit Campingkiste, Isomatte, Schlafsack und Ladekabel

Das Ladekabel verschwindet im Untergrund zu den Schneeketten. Dazu ist anzumerken, dass das Ladekabel ohne den Koffer mitkommt. Der ist so unhandlich, sperrig und mit so vielen Klettbändern versehen, dass der nicht gut platziert werden kann und ohnehin zu viel Stauraum einnimmt. Die restliche Ausrüstung verschwindet im Kofferraum. Auch die Fotoausrüstung kommt zunächst in den Kofferraum, aber während der Tour ist sie natürlich greifbar auf der Rücksitzbank.

Meine vollständige Ausrüstung mit Kopfkissen. Von oben sieht das gar nicht so viel aus, aber das täuscht.

Das ist nur die Hälfte der Ausrüstung. Christels Sachen kommen noch dazu. Wie gut, dass der Tesla einen Frunk hat. Da können dann Zelt und Schutzmatte Platz finden. Die Tatsache, dass der Tesla quasi drei Kofferräume hat, spricht für ihn und gegen alle deutschen Autos, die unter der Fronthaube einen Haufen Technik haben und dazu kaum Platz für Ladekabel. Ich könnte das Teslaladekabel zuhause lassen, denn das brauche ich nicht. Dafür habe ich ja das Juice Kabel. Aber das ist etwas sperrig und passt nicht in den Radkasten und das Teslakabel liegt neben dran und stört nicht.

Der Kofferraum ist voll und ein Teil befindet sich auf der Rücksitzbank

So geht die Reise los. Erst einmal in den Norden Deutschlands und dann nach Schweden.

In Kürze mehr.

6 Jahre später, mein größtes E-Auto Abenteuer beginnt

Es ist jetzt fast 6 Jahre her das ich diesen Blog begonnen habe. Damals führte mich meine Reise alleine zum Nordkapp. Im Grunde war das damals bzgl. des Fahrens mit einem Tesla schon unkritisch. Die Dichte an Superchargern war seinerzeit in Norwegen bereits sehr hoch. Ich weiß nicht, ob seit dem wirklich viele in Norwegen dazugekommen sind. Es gibt nun einen in Honningsvåg, den es damals nicht gab. Mit den heutigen Elektroautos muss man nicht mehr beweisen, dass man bis zum Nordkapp kommt. In Deutschland und allen anderen Ländern ist die Ladesäulendichte seit dem erheblich angewachsen. Ich fuhr damals im Sommer, bei normalen, angenehmen Temperaturen zwischen 10 und 25 Grad Celsius und einem Fahrzeug, dass vielleicht 60.000km auf dem Tacho hatte. Ich hatte also noch fast die volle Akkuleistung (>400km bei 100%) zur Verfügung.

Nun, 6 Jahre später, sieht die Welt etwas anders aus. Das Auto ist kurz vor 280.000km. Es hat zwar schon die 5te Scheibe, aber noch immer die ersten Bremsen. An Verschleißreparaturen hatte ich bisher zwei neue Querlenker vorne (bei 190.000km), den Türgriff der Fahrertür und ein paar Euros für das Schönmachen des Fahrergurtes. Gesamtkosten deutlich unter 2000€. Alle weiteren Reparaturen waren entweder fremdverursachte Schäden an den Stoßfängern oder Elektronikprobleme in der Garantiezeit. Aktuell macht mir der Zentralcomputer etwas Sorgen, aber ich konnte ihn nicht mehr rechtzeitig auf die Version 2 aufrüsten lassen. Dann hätte ich nämlich eine Dashcam-Funktion, Netflix und Apple Music. Wobei ich keine Ahnung habe, ob man einen eigenen Netflix-Zugang dafür braucht. Ich habe und brauche kein Netflix.

Das Auto wird in Kürze 8 Jahre alt. Das hat bei der Laufleistung natürlich Auswirkungen auf den Akku. Leider kann ich nicht beurteilen, wie der Akkuzustand wirklich ist. Tesla rückt keine Informationen raus und eine teure Untersuchung will ich mir sparen. Auch haben die Teslas der Generation keine Garantie auf die Akkuleistung (zum Beispiel 70%) sondern nur auf Akkudefekte. Die Reichweite bei 90% Ladung ist inzwischen auf 298km von ursprünglich 360km geschrumpft. Besonders hat sich das Aufladen verändert. Von 10 auf 90% braucht das Auto inzwischen gut 75 Minuten, bei Kälte auch mehr. Noch stört mich das nicht sehr. Immerhin habe ich bisher fast keinen Strom bezahlen müssen. Zudem genieße ich es die Ruhe zu haben, um gemütlich Essen gehen zu können. Bei Ladezeiten von 15 Minuten fällt das weg.

Das Auto sieht immer noch fast wie neu aus und auch das Fahrwerk macht keine Probleme. Das sind sicherlich Vorteile eines eher leichteren Akkus, wobei die heutigen Model S bei viel größerem Akku, nicht mehr Gewicht auf die Waage bringen. Es hat sich technisch in den Jahren diesbezüglich viel getan, aber ein Auto vielleicht 500.000 oder mehr Kilometer zu fahren hat auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Insgesamt hoffe ich 600.000km zu schaffen, wenn es bei der jährlichen Fahrleistung bleibt oder noch weitere 8 Jahre. Selbst wenn ich noch einen neuen Akku kaufen muss, so ist das erheblich billiger als ein neues Auto. Wobei ich natürlich zugeben muss, dass ein Auto mit weniger Verbrauch, größerer Bodenfreiheit, einemAkku mit 30-40% mehr Kapazität und im Zweifelsfall 700PS mehr, seinen Scharm hätte. Aber mit dem Lottogewinn hat es bisher nicht geklappt.

Das Neue Abenteuer

Ursprünglich wollte ich diese Reise schon vor zwei Jahren machen, aber durch verschiedene Ereignisse, habe ich sie auf dieses Jahr verschieben müssen. Glücklicherweise muss ich die Reise nicht alleine machen und werde von meiner guten Wanderfreundin Christel begleitet. Zu Zweit ist eine Reise in die Kälte und den Schnee angenehmer, denn es gibt eine Menge Unwägbarkeiten. Einer muss ja das Auto ausgraben.

Wir wollen durch Schweden bis Finnland fahren. Die Temperaturen schwanken aktuell stark. Wir sind auf Temperaturen von -25 Grad Celsius eingestellt. Die Reise wird gute drei Wochen dauern. Eine Woche Fahrt an die Nordküste der Ostsee. Dort verschiedene Programme bis Schwedisch Lappland und dann eine Woche zurück, ggf. über Norwegen. Das Programm im Zielbereich ist organisiert und gebucht. Der Rest nicht. Wir wissen also nicht, wo wir wann übernachten werden. Wir haben Zelt und Schlafsack dabei. Die Reifen sollten auch noch gut genug sein. Schneeketten sind natürlich an Board, wobei ich noch nie mit Schneeketten gefahren bin. Es kann also gar nichts schief gehen.

Die Fragen, die uns die kommenden Tage beschäftigen werden, lauten:

  1. Hält das Auto durch, insbesondere die Elektronik und der Akku?
  2. Halten wir durch?
  3. Wohin verschlägt es uns?
  4. Können wir tolle Fotos machen, von denen hoffentlich ein paar hier veröffentlicht werden können?

Das zentrale Programm ist spannend, aber was wir vorhaben, wird jetzt noch nicht verraten. Auch wenn wir eigentlich aus Hessen / Rheinland Pfalz starten, beginnt für mich die Reise in den Norden, wie immer in meiner Heimat Niedersachsen.

In Kürze mehr an dieser Stelle.

Unverständliche Dummheit

Die letzten Wochen wurde intensiv über das neue Heizungsgesetz diskutiert. Egal welchen Entwurf man betrachtet, vom Ersten bis zum Letzten, sie sind einfach nur dumm. Man hätte überhaupt kein solches Gesetz benötigt.

Worum geht es überhaupt? Es geht darum, dass die Gebäude sehr viel Energie zum Heizen benötigen und diese Energie noch hauptsächlich quasi 1:1 aus Öl oder Gas gewonnen wird. Warum möchte die Politik Wärmepumpen eingesetzt sehen? Weil sie nur 1/4 der Energie benötigen. Und genau darum geht es. Es geht darum Energie zu sparen. Man könnte witziger weise Strom aus Gas oder Öl erzeugen und wäre in Kombination mit einer Wärmepumpe energetisch dann noch immer besser dran, als das Öl einfach nur in Wärme umzuwandeln. Es geht also insgesamt darum weniger Energie zu verbrauchen und damit den CO2 Ausstoß zu reduzieren. Gleichzeitig lässt sich Strom ohne CO2 zu emittieren erzeugen, man kann ihn sehr leicht mit vergleichsweise wenig Verlust transportieren und es gibt weder Feinstaub noch Geruchsbelästigungen. Dafür ggf. etwas Lärmerzeugung. Zudem gäbe es auch noch die Möglichkeit über Klimaanlagen, die ja nichts weiter als Wärmepumpen sind, auch im Sommer eine Kühlung zu erreichen. Das nur so nebenbei.

Was sind nun die Probleme bei der Umsetzung? Es ist nicht das Problem, dass die Hausbesitzer nicht umsteigen wollen. Es gilt drei Probleme zu lösen:

  1. Hausbesitzer müssen einsehen, dass eine Wärmepumpe funktioniert (auch beim Altbau) und dass diese dauerhaft kostengünstiger ist, als ihre alte Öl- oder Gasheizung.
  2. Man muss den Hausbesitzern eine Möglichkeit der kostenneutralen Finanzierung geben.
  3. Man muss Vermieter nötigen die notwendigen Maßnahmen umzusetzen, weil ansonsten einem Vermieter die Art der Heizung egal ist.

Nun zu den Lösungen:

  1. Die Lösung für die Motivation gibt es eigentlich schon und das ist die CO2 Bepreisung. Es muss den Menschen klar sein, dass jeder Tropfen Öl oder jeder Kubikmeter Gas mit jedem Jahr massiv teurer wird und das eine Wärmepumpe von den Kosten relativ gleich bleibt, vor allem beim Einsatz einer eigenen PV Anlage. Wenn das nicht Motivation genug ist, ist nicht der Politiker der Dumme, sondern der Bürger.
  2. Der Staat würde sich keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn er allen willigen eine kostenlosen oder extrem niedrig bezinsten Kredit zur Verfügung stellen würde. Hierzu muss er nur die Banken zum Mitspielen zwingen. Nach dem Umbau der Heizung spart diese Geld ein und mit den Einsparungen kann der Kredit über 10 Jahre abbezahlt werden. Das heißt, der Hausbesitzer hat auch keine Probleme. Und der Vorwand, dass alte Menschen keinen Kredit bekommen, weil dann die Abzahlung unsicher ist, halte ich für vorgeschoben, denn es gibt in der Regel immer einen Nachfolger, der dann den Kredit zu bedienen hat oder der Bank gehört dann das Haus. Verluste macht sie ganz sicher nicht. Wir hätten hier eine Win-Win-Situation.
  3. Da wir in Deutschland sehr viele Mietverhältnisse haben und der Mieter keinerlei Einfluss auf die Heizkosten hat, außer er friert die Wohnung kaputt, muss eine Regelung getroffen werden, dass der CO2 Preis nur vom Vermieter zu zahlen ist. Damit wird der Druck auf den Vermieter von Jahr zu Jahr höher. Allerdings muss gleichzeitig verhindert werden, dass die Kosten einer neuen Heizung über höhere Umlagen doppelt finanziert wird. Auch hier gilt also, dass die Einsparungen die Kosten decken müssen.

Fazit
Eigentlich sind die Lösungen ganz einfach. Erstens den Menschen die Vorteile verkaufen. Zweitens die Lösungspunkte 2 und 3 in ein Gesetz gießen. Damit hätte man keinerlei dumme Diskussion gehabt.

Nun noch zum Bürger, der sich über die dummen Politiker aufregt. Ihr, die Ihr nichts macht, seid genauso dumm. Jede Maßnahme, die nicht durchgeführt wird, führt zu höheren Kosten in der Zukunft. Wenn die Politik so dumm und verantwortungslos ist das Flugbenzin nicht zu versteuern, sind diejenigen, die trotzdem fliegen verantwortlich für das was der Flieger an Schaden anrichtet. Ihr könnt Euch da nicht herausreden. Das gilt für alles. Wenn dann noch das Argument kommt, aber wir in Deutschland haben gar keinen Einfluss, so ist das Unsinn. Wir sind 1% der Erdbevölkerung, produzieren aber 2% CO2 und sind durch Produktion in China noch für viel mehr CO2 verantwortlich. Also können wir sehr wohl einen Beitrag leisten. Das muss der Elterngeneration bewußt sein, aber auch den Kids, denn die verhalten sich auch nicht besser als wir in unserer Jugend. Das Problem ist, dass der Mensch nur auf schnelle Ereignisse reagieren kann. Der Klimawandel äußert sich aber nur partiell in Extremereignissen, womit die Gesellschaft wenig anfangen kann. Das soll aber keine Entschuldigung sein, denn in der heutigen Informationsgesellschaft sollte jeder das richtige Wissen haben.

Ist Wasserstoff die Lösung?

Als ich heute meinen Lieblingspodcast (Methodisch inkorrekt) gehört habe, wurde die Frage erörtert, wie viel Süßwasser braucht es eigentlich, um die für Verkehr und Heizen theoretisch benötigte Menge Wasserstoff herzustellen. Dabei bin ich hellhörig geworden, als erzählt wurde, dass aus einem Liter Wasser 0,9l Wasserstoff entstehen würden. Das ist falsch und war vermutlich ein Versprecher. Richtig muss es heißen, dass aus 9l Wasser = 9kg, 1kg Wasserstoff erzeugt werden kann. Warum in kg? Naja, Wasserstoff ist schlecht in Litern zu fassen, denn dafür müssen die Umgebungsparameter, wie Temperatur und Druck verändert werden. Bevor ich im Folgenden ein paar Berechnungen anstelle, sei dem geneigten Wasserstofffan noch gesagt, dass der Einsatz von Wasserstoff im Auto mit einer Brennstoffzelle dazu führt, dass das Tempolimit automatisch eingehalten wird, denn der Umwandlungsprozess kann nur relativ kontinuierlich passieren, so dass das Betätigen des Beschleunigungspedals nicht viel bringt, bzw. nur über den Umweg über einen Akku funktioniert. Oder man begibt sich wieder in die Verbrennung, hat dann aber viel höhere Verluste und kommt nicht weit.

Berechnungen

Im Jahr 2020 wurden weltweit 88 Millionen Barrel Rohöl gefördert. Ein Barrel sind 159 Liter. Damit wurden jeden Tag 13.992.000.000 l Öl gefördert, bzw. im Jahr 5.107.080.000.000 l. Anders ausgedrückt 5 Billionen Liter. Der Energiegehalt von Rohöl sind etwa 11kWh. Das heißt, es handelt sich um eine Energiemenge von 56.177.880.000.000 kWh jährlich. Davon werden ca. 70% für Transport, also Benzin, Diesel, Kerosin, … und Heizen verwendet. Das ergibt 39.324.516.000.000 kWh Energie, die wir durch Wasserstoff ersetzen müssten.

1kg Wasserstoff besitzt die Energie von etwa 33kWh. Damit würden 1.191.652.000.000 kg Wasserstoff benötigt. Nun wollen wir ja ökologisch sein und den Wasserstoff durch Elektrolyse herstellen. Dabei treten Verluste in Höhe von 60% auf. Nicht eingerechnet Verluste durch Transport, Kühlung, Kompression, … Damit brauchen wir

  1. 98.311.290.000.000 kWh Strom zur Herstellung (das entspricht 9000 durchschnittlichen Kernkraftwerken)
  2. 10.724.868.000.000 l reines Wasser (Süßwasser)

Das sind ziemlich große Zahlen. Meine Photovoltaikanlage erzeugt etwa 240kWh Strom pro Zelle und Jahr. Heute sind die Zellen noch besser, bzw. können noch besser sein, je nachdem wie viel Geld man ausgeben möchte. Rechnen wir einfach mal mit 300kWh / Jahr. Dann brauchen wir 327.704.300.000 Solarzellen für die Stromproduktion. Sofern wir davon ausgehen, dass die Herstellung der Solarzellen auch mit Solarstrom erfolgt und das alles CO2 neutral ist. Eine Solarzelle ist etwa 0,8m2 groß. Damit brauchen wir eine Fläche von 262.163.440.000m2, was 262.163km2 sind. Immerhin könnten wir in Deutschland 1% des Weltbedarfs mit Dachflächen abdecken, was in etwa dem Bevölkerungsanteil entspricht. Leider verbraucht Deutschland aber das 4-Fache.

Nun die Korrekturen, weil es nicht ganz so schlimm ist. Für den Verkehr werden etwa 50% des Öls verwendet, also 28.088.940.000.000 kWh pro Jahr. Wenn wir aber elektrisch fahren, dann spart das zumindest im PKW Bereich 2/3 ein, weil die Autos viel weniger Verluste haben und dementsprechend weniger Energie verbrauchen. Wir sind ja optimistisch und rechnen das hoch und bekommen einen Verbrauch von 9.269.350.200.000 kWh. Das ergibt noch immer 77.244.585.000 Solarzellen, aber es sind nur noch 61.796qkm Fläche. Das ist 1,5 Mal die Schweiz.

Wenn wir nur mit Batterien fahren, dann reduzieren sich die Verluste, so dass am Ende nur noch etwa 1/3 herauskommt, also die halbe Schweiz. Zudem würde die Wasserstoffherstellung 11 km3 (Kubikkilometer) Wasser benötigen, welches wir erstens der Trinkwasserversorgung entnehmen würden und zweitens zusätzlich in die Luft bringen würden, was vermutlich nicht so viel ist, aber trotzdem nicht gut im Zusammenhang mit den Klimaveränderungen ist.

Ganz anders sieht es im Bereich Zwischenspeicher im häuslichen Bereich aus, wo es einen Kreislauf von Elektrolyse und Brennstoffzelle geben kann. Hier gibt es nur einen einmaligen Wasserbedarf.

Fazit

Öl (und wir haben hier noch nicht das Thema Erdgas beleuchtet) durch Wasserstoff zu ersetzen bringt nicht wirklich Vorteile. Das, was die Autofahrer sich durch das schnelle Tanken erhoffen, wird durch eine geringe Reichweite und fehlende Fahrdynamik wettgemacht. Außerdem muss ein hoher technischer Aufwand betrieben werden, der nicht so schnell umsetzbar ist. Es gibt Einsatzgebiete für Wasserstoff (Ersatz von Erdgas), die sehe ich aber nicht im Transportwesen und auch nicht in der Gebäudetechnik. Eigentlich wäre die optimale Lösung die Carrerabahn, so dass die Fahrzeuge keine schweren Akkus mehr mitschleppen müssten, aber das ist sicher nicht realisierbar. Auch das autonome Auto bringt beim Verbrauch nicht wirklich etwas, denn die Leute wollen ja trotzdem von a nach b kommen und das autonome Auto muss sich dann auch noch zu den Leuten hinbewegen. Das autonome und geteilte Auto bringt dafür viel bei der Ressourceneinsparung in Herstellung, Platzbedarf, Wartung, …

Die Bedeutung für Deutschland ist, dass die Dachflächen mit Windkraft zusammen reichen würde, um den Energiebedarf zu decken, wenn wir keinen Wasserstoff zum Verfahren verwenden, denn bei den obigen Zahlen sind ja nur die Solarzellen berücksichtigt worden, aber die Windkraft hat ja einen aktuell noch größeren Anteil an der Ökostomerzeugung. Außerdem spart die nicht Verwendung von Öl auch Energie ein, so dass noch weniger als angenommen benötigt wird.

AddOn

So gerne ich lieber gestern als heute auf das Erdöl verzichten würde, muss beachtet werden, dass Erdöl auch in vielen anderen Bereichen, wie Kunststoffe, Medizin, Strassenbau, … eingesetzt werden. Dafür muss entsprechender Ersatz gesucht werden, bzw. die chemischen Prozesse müssen so angepasst werden, dass in der Übergangszeit die Bestandteile, die heute verbrannt werden, auch für sinnvolle Dinge genutzt werden.

Anmerkung

Ein weiteres Lieblingsthema von vielen technikaffinen Menschen ist Stromerzeugung durch Kernfusion.. Hier möchte ich folgendes anmerken:

  1. Wir haben schon ein kostenloses Fusionskraftwerk. Wir sollten dieses nutzen.
  2. Selbst wenn das mit der Kernfusion klappt, braucht es noch viele Jahre, bis es eine Lösung gibt.
  3. Auch eine Kernfusion braucht Treibstoff. Wo soll der denn herkommen?

Klimawandel Ade

Vor 30 Jahren haben die Grünen noch von einem Benzinpreis von 5DM geträumt. 2019 war das Bewusstsein für den anstehenden Klimawandel zumindest in den Medien präsent, wenn auch leider nicht in den Betonköpfen meiner Generation, aber eigentlich ist jedem klar, dass es da wohl ein Problem geben könnte und dass es eigentlich auch Lösungen gibt. Trotzdem interessiert es heute nicht mehr, dass wir einen Klimawandel haben. Dabei gab es letzte Woche noch die Meldung, dass wir die 1,5 Grad schon erreicht haben.

Jetzt haben wir eine weltweite Krise und die Mineralölkonzerne haben die Benzinpreise massiv erhöht, ohne dass es dafür einen konkreten Grund gibt, denn der Weltmarktpreis für das Rohöl ist nicht auf seinem Höchststand. Anstelle die Mehreinnahmen nun zu nutzen, um die alternativen Antriebe sinnvoll zu fördern, zum Beispiel durch Investitionen in die kommunalen Stromnetze, müssen alle das Benzin für die Autofahrer subventionieren, egal ob sie überhaupt Auto fahren. Und so teuer scheint der Sprit nicht zu sein, wenn die Strassen so voll sind. Oder sind das alles Firmenwagen. Vielleicht muss man da auch mal ran und deren Förderung zusammenstreichen. Zudem geht unsere Regierung nun hin und erschließt weltweit neue Gaslieferanten. Wir wollen weg von dem Gas und dem Öl. Das muss oberste Prämisse sein. Dazu muss man nichts subventionieren, sondern durch günstige, zum Beispiel zinslose, Kredite den Umbau der Öl- und Gasheizungen hin zu Wärmepumpen in Kombination mit Solar fördern. Es gibt inzwischen für alles eine Lösung. Mit Solarzellen kann man heute nicht nur Strom gewinnen, sondern gleichzeitig auch Wärme. Und wenn man diesen ganzen Ausbau geschafft hat und alle Dächer blau und nicht mehr rot sind, dann kann man auch den Wasserstoff produzieren, den die Industrie gebrauchen kann. Aber anscheinend wird von der Energielobby der Politik eingeredet, dass das alles ungünstig ist.

Wir wissen, dass der Klimawandel unaufhaltsam da ist und wir nur noch Schadensbegrenzung machen können und wir wissen, dass die Bekämpfung der Folgen um ein Vielfaches teurer wird, als eine Schadensvermeidung durch rechtzeitige Maßnahmen. Also warum tun wir dann nichts? Wir müssen jetzt handeln, denn jedes Handeln, aber auch jedes Nicht-Handeln macht sich erst in zehn Jahren bemerkbar. Also spüren wir heute unser Handeln von 201#. Irgendwann wird es nichts mehr nützen das Speiseöl oder das Toilettenpapier zu hamstern. Das ist einfach nur egoistisches Denken.